Kompositorisches Profil

Flavio Ferri-Benedettis kompositorisches Schaffen entsteht aus einer langjährigen intensiven Auseinandersetzung mit der Musik und musikalischen Rhetorik des 17. und 18. Jahrhunderts. Als Countertenor, Instrumentalist, Forscher und Dozent für historischen Gesang und italienische Diktion an der Schola Cantorum Basiliensis ist die historische Aufführungspraxis nicht nur Gegenstand seiner künstlerischen Arbeit, sondern seine eigentliche musikalische Muttersprache.

Seine Kompositionen verstehen sich dennoch nicht als Rekonstruktionen oder Stilkopien historischer Musik. Ferri-Benedetti verwendet Formen, Satztechniken, rhetorische Gesten und klangliche Dispositionen des Barocks vielmehr als lebendiges kompositorisches Vokabular. Aus diesem historischen Fundament entwickelt er eine persönliche Musiksprache, die tonale und kontrapunktische Verfahren mit einer gegenwärtigen expressiven Haltung verbindet.Im Zentrum seines Schaffens steht die menschliche Stimme. Text, Sprache und musikalische Rhetorik bestimmen sowohl seine großformatigen geistlichen Werke als auch seine Kammermusik. Sein Werkverzeichnis umfasst Oratorien, geistliche Chor- und Ensemblemusik, Psalmen und Motetten, weltliche Kammerkantaten, A-cappella-Werke sowie instrumentale Kammer- und Tastenmusik.

Aktuelle größere Projekte

Missa in tempore arduo – für Solisten, Vokalensemble und Barockorchester; Uraufführung in Basel, Februar 2028

Maria – Oratorium für Vokalensemble und Basso Continuo; Uraufführung Basel September 2025

La Passione di Gesù Cristo – Oratorium nach dem Libretto von Pietro Metastasio; Uraufführung Basel 2023

Künstlerischer Hintergrund

Flavio Ferri-Benedetti, geboren 1983 in Scandiano (Italien), lebt und arbeitet in der Schweiz. Nach einem Klavierstudium in Spanien absolvierte er an der Schola Cantorum Basiliensis ein BA- und MA-Studium in historischem Gesang bei Prof. Gerd Türk; den Master schloss er 2010 cum laude ab. Seit 2000 verfolgt er eine internationale Karriere als Countertenor mit Auftritten in Europa, Amerika und Japan; seine Diskographie umfasst mehr als fünfzehn Einspielungen. Er promovierte 2014 an der Universität Valencia mit einer Arbeit zur klassischen Tradition in Metastasios Issipile. Von 2018 bis 2024 unterrichtete er historischen Gesang und italienische Diktion an der Zürcher Hochschule der Künste; seit 2019 ist er als Coach für Gesang und italienische Diktion an der Schola Cantorum Basiliensis tätig. Die Verbindung von historischer Aufführungspraxis, vokaler Erfahrung, philologischer Beschäftigung mit Texten und eigener kompositorischer Arbeit bildet die Grundlage seines kompositorischen Profils.

AUSGEWÄHLTES WERKVERZEICHNIS

Oratorien und geistliche Vokalmusik

2028: Missa in tempore arduo – Solisten, Vokalensemble und Barockorchester; UA Basel Feb. 2028 – Ensemble Il Basilico
2026: Ecce, mysterium vobis dico – 2 Posaunen, Tenor und Basso continuo; CD-Ersteinspielung in Vorbereitung mit Henry van Engen und Prof. Catherine Motuz
2024: Maria – Oratorium; SATB (mit Divisi) und Basso continuo; UA Basel 2025 – Ensemble Il Basilico
2022: Requiem for Sally Jans-Thorpe – SATB und Basso continuo; UA Basel 2022 – Ensemble Il Basilico
2022: Psalm 129: De profundis (2019/20) – SA, 2 Violinen, Basso continuo; UA Basel 2022; Aufnahme Basel 2025 mit Valer Sabadus, Countertenor
2021: La Passione di Gesù Cristo – Oratorium nach Pietro Metastasio; SATB-Solisten, SATB-Chor, Oboe und Blockflöte, Streicher, Basso continuo; UA Basel 2023 – Ensemble Il Basilico
2013: Salve Regina (2013) – Sopran oder Mezzosopran, Streicher, Basso continuo; UA Castellón (Spanien) 2014 – Ensemble L’Estança Harmònica
2010: Psalm 69: Salva me, Deus – SATB, Streicher, Basso continuo; UA Basel 2010 – Schola Cantorum Basiliensis

Weltliche Vokalmusik

2026: Interrotte speranze (Madrigal) – SSMs und Basso continuo; für Trio Cyrene; UA 2026 in Liestal (CH)
2019: Comme un fleuve – Sonnet 119 (2019) – Alt/Mezzosopran solo und gemischter Chor; UA Basel 2019 – Rheinvokal, mit Text und Musik von Flavio Ferri-Benedetti
2012: Vier italienische Kantaten (UA 2012 an der Schola Cantorum Basiliensis, CH)
Il Ciclope (2012) – Mezzosopran, Bass, Violine und Basso continuo; Text: Pietro Metastasio
La Gelosia (2012) – Alt und Basso continuo mit obligatem Violoncello; Text: Pietro Metastasio
Oh Dio, che non è vero! (2008) – Tenor, Violine und Basso continuo; Text: Pietro Metastasio
Un’alma innamorata (2007) – Sopran, Traversflöte und Basso continuo

Instrumentalmusik

2025: Sonata della Regina – Blockflöte, Violine und Basso continuo; UA 2025 in Basel (Ensemble Ad Fontes)
2024: Sonata L’Antonia – 2 Violinen und Basso continuo; für Ensemble Ad Fontes; Menzione, Premio Bonporti 2024
2023: Sonata La Bernadetta – Violoncello und Basso continuo; UA 2023 in Basel (Ensemble Il Basilico)
2023: Follia di Spagna – 4 Traversflöten und Basso continuo
2022: Suite L’Amelia – Cembalo
2017–2019: The Mystery of You – Klavierzyklus, 20 Stücke

Auszeichnung

Premio Bonporti – Concorso internazionale di composizione storica, 2024 – „Menzione“ für Sonata L’Antonia

Ausgewählte Hörbeispiele

La Passione di Gesù Cristo – Live, Basel 2023: https://youtu.be/GAm6FvxpwMs
Maria – Live, Basel 2025: https://youtu.be/Ie6bB26BWG8
De profundis – Aufnahme Basel 2025: https://youtu.be/JA2r_fVg9PM